BUDO - Von der Bezwingung des Gegners zur Bezwingung des Selbst

BUDO - Von der Bezwingung des Gegners zur Bezwingung des SelbstKumite: Raptopoulos Vassilis, 4. Dan (Leiter des Shirasagi Dojo Athen) mit Klobe Simon, 3. Dan (Leiter des Shirasagi Dojo Berlin)

Im Okinawa Shorinryu Shidokan wird Karate-Do als Kampfkunst betrieben. Wir üben den Weg der Leeren Hand im Geiste des Budo. Der Begriff Budo bezeichnet die Philosophie der japanischen Kampfkünste. Übersetzt bedeutet Budo "der Weg des Kriegers/der Weg der Kriegskunst". Ziel dieses Weges ist es, sich selbst zu bezwingen. Der Sieg über andere ist zweitrangig. Budo ist mehr als eine Kampfmethode (Bujutsu), als ein Kampfsport. Es geht nicht darum, höher zu treten oder schneller zu schlagen als ein anderer. Wer dem Weg des Kriegers folgt, tut dies nicht, um Pokale zu erringen, sondern um sich selbst zu erkennen.

Wer andere erkennt, ist klug.
Wer sich selbst erkennt, ist erleuchtet.
Wer andere überwindet, hat Kraft;
wer sich selbst überwindet, ist stark.
Laotse

 

 

Auf dem Weg des traditionellen Karate-Do wird der Schüler konfrontiert mit den eigenen Schwächen und lernt, sie zu überwinden. Karate-Do wird zu einem Prozeß der Selbsterfahrung. Schritt für Schritt verbessern sich die Reaktion, die Atmung und die Körperhaltung. Die Selbstdiziplin und die Konzentration steigen, das Selbstbewußtsein wächst. Wer beständig übt wird psychisch und physisch stark. Wer stark ist, muss nicht mehr gegen andere kämpfen, er muss nichts mehr beweisen. So ist traditionelles Karate-Do ein Weg zu einem ausgeglichenen und friedfertigen Geist. Ein Karateka sollte die Hand eines Teufels und das Herz eines Buddha haben.

Tafel im Shorinryu Shidokan

Tafel im Shorinryu Shidokan Honbu Dojo von Miyahira Katsuya, 10. Dan Hanshi in Naha, Okinawa: „Mit der Hand eines Teufels, mit dem Herzen eines Buddha"

 

Der Weg des traditionellen Karate-Do ist gekennzeichnet durch ständiges Üben, denn Karate-Do ist ein Weg der Erfahrung, nicht des Intellekts. Durch exakte und ständige Wiederholung der Übungen schult der Karateka seinen Geist und seinen Willen. In der Annäherung an ein Ideal lernt der Schüler Geduld mit sich selbst und somit auch mit anderen zu haben. Es gilt, sich immer vor Augen zu halten, daß Budo nicht das Sein lehrt, sondern das Werden.

Ein ganz grundlegender Punkt beim Üben des Karate-Do ist das rechte Verhalten. Karate-Do beginnt und endet mit Respekt. Ein Karateka ist kein Einzelkämpfer, denn er beschreitet den Weg nicht alleine. Erst unter Anleitung eines Meisters (Sensei) und in Gemeinschaft mit den anderen Übenden entwickelt er sich. Durch die gemeinsame Übung wird soziales Verhalten innerhalb einer Gruppe und im übertragenen Sinne innerhalb einer Gesellschaft gefördert.

In allen Dojos der Okinawa Shorinryu Shidokan Schule spielen deshalb die von Großmeister Miyahira Katsuya, 10.Dan Hanshi besonders betonten Tugenden wie Aufrichtigkeit, Ehrenhaftigkeit, Gerechtigkeit und Solidarität eine große Rolle.

 

Wird der Schüler unter der Leitung eines Meisters (Sensei) an die Kampfkunst herangeführt, so wird ein wirklicher Lehrer des Weges jeden Bewerber zunächst auf sein inneres Potential hin zum Weg prüfen. Der angehende Schüler durchläuft daher von Anfang an die von seiner Budo-Disziplin vorgegebene Schülerstufen des jeweiligen Graduierungssystem (Kyudan) der Mudansha-Ebene.

Bis der Bewerber sich zum tatsächlichen Wegschüler des Budo entwickelt hat, vergehen einige Jahre des gegenseitigen Kennenlernens in der Shu-Form, vom weißen Gürtel (Obi) bis zum braunen Gürtel. Diese Zeit der Vorbereitung besteht darin, den Übenden hin zur entsprechenden körperlichen und geistigen Form, wie sie der Weg meint, zu führen und ihn auf den Weg des Budo vorzubereiten. Hier erlernt der Übende zunächst die Grundtechniken (Kihon/Omote) des jeweiligen Stils und die dazu erforderliche innere Haltung, die eine wirkliche, wegorientierte Lehre erst möglich macht. Die innere Lehre, verbunden mit der technischen Verfeinerung des jeweiligen Systems (Okuden) erfordert eine vom Übenden ausgehende Budo-Beziehung zu seinem Lehrer und zu der Kunst, in der er sich übt, den Herausforderungen des Weges zu bestehen.

Nimmt ein Übender die Herausforderungen des Weges an, und zeigt dies nicht nur durch seine gute Technik, sondern vor allem durch sein vorbildliches Verhalten in all seinen Handlungen, wird der Lehrer ihn als Weg-Schüler annehmen. Ein wahrer Budo-Lehrer wird ohne eine echte Lehrer-Schüler-Beziehung (Shitei) den wahren Weg des Budo nicht lehren.

Nun wird der Lehrer seinen künftigen Schüler vernünftig an die Kampfkunst heranführen.
Ein Bewerber für die Budo-Kunst ist nicht mit dem Eintritt in ein Karate-Dojo von Beginn an automatisch Schüler dessen, der darin den Weg des Budo lehrt. Nein, das wirkliche Schülersein beginnt erst mit dem Eintritt in die Ha-Form, dann also, wenn der Übende nach jahrelanger harter Übung seine Prüfung zum 1.Dan (Shodan) bestanden hat, und jetzt sehen kann, wo und was der Weg ist.

Oft wird das Erreichen des Shodans mit einer Meisterschaft in einer Budo-Disziplin verwechselt. Das Erreichen einer echten Budo-Meisterschaft erfordert vom Weg-Schüler eine jahrelange Budo-Erfahrung und natürlich auch Lebenserfahrung.

Man kann Budo nicht im Crash-Kurs erlernen, so wie manche modernen Kampfsportarten mit ihren Methoden dem Neuling glauben machen wollen, denn der Weg des Budo erfordert mehr als nur körperliche Technik.

,,Budo beginnt dort, wo die Technik aufhört", sagt man und meint damit, dass Budo eine Kunst ist, die man sein ganzes Leben lang übt, wodurch man im Budo und durch Budo die Selbstperfektion sucht.

 

Budo beginnt dort, wo die Technik aufhört

Sensei Laupp Joachim, 8. Dan Kyoshi bei der Übung mit seinem Lehrer, Großmeister Miyahira Katsuya, 10. Hanshi


Zur wahren inneren Meisterschaft, also zur echten Budo-Meisterschaft, gelangen nur sehr wenige Schüler nach langer Zeit des harten Übens erst mit Bestehen der Prüfung zum 5.Dan (Godan - Renshi).

Der ideale Budoka zeichnet sich dadurch aus, dass er dem Leben mit der Haltung eines Menschen mit wachem Geist in einem gesunden Körper gegenübersteht, und dieses in der ganzen Vielfalt seiner Formen achtet.

Ein echter Budoka steht für das Leben und für Harmonie, und nicht für Tod und Zerstörung.

 

 

Okinawa, Shido Kan, Shorinryu, Karate do